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dingle

Dingle ist Musik – sagte man mir. Und das stimmt. Schon der Anblick der bunten Häuschen, die sich wie aufgereiht den Hügel hinauf erstrecken, ist Musik für die Augen … Bezaubernd wäre Dingles Main Street auch ohne die vielen Farben. So aber wirkt das Städtchen sehr freundlich und einladend und abwechslungsreich. Und der erste Blick in die Fenster der Pubs verrät, dass es jeden Abend Livemusik - nicht nur traditionelle – gibt. Schön, hier bin ich richtig.

Zwei Stunden später habe ich ein Zimmer im Grapevine Hostel bezogen (ein Bett im 3er female dorm, bin aber allein), die Innenstadt zu Fuss erkundet und den Hafen entdeckt. Entgegen dem ersten Eindruck von Gemütlichkeit und der Funktion als reiner Zierstadt, ist Dingle tatsächlich auch ein Fischereiort. Neben einer Marina für Segel- und Motoryachten gibt es den Fischereihafen und einen eigenen Steg für die Ausflüge zu Funghi … dem zugeschwommenen stadteigenen Delphin in der Dingle-Bucht. Dorthin werden regelmäßig Ausflüge angeboten. Im Sommer müssen Scharen von Ausflüglern kommen, um sich das Tier anzusehen. Und sie werden gelockt mit einer Geld-zurück-Garantie, wenn sich Funghi nicht zeigt! Nicht auszudenken, was passiert, wenn Funghi mal stirbt … Ncht nur der Delphin-Shop müsste schließen:

Dass Dingle touristisch ausgelegt ist, zeigt sich nicht nur den den Bootstouren, sondern auch an der Art, wie musiziert wird. Jeden Abend gibt es irgendwo in der Stadt Gruppen oder einzelne Künstler, die auftreten, um die Menschen anzulocken und zum Konsum anzuregen. Musik ist Profit und die Musiker sind durchweg gut! In der Nebensaison ist der Kampf um die nicht so zahlreichen Touris natürlich besonders hart. Wer dann als Musiker keinen guten Job macht, kann wahrscheinlich Engagements für die nächste Saison vergessen und sich als Freizeitmusikant betätigen.

Musik ist auch im Hostel allgegenwärtig. Der „Manager“ John ist Mitte 20, aus England, wohnt seit ein paar Jahren im Hostel und kümmert sich ums Tagesgeschäft. Er meint, er hätte den besten Job der Welt. Oft besteht der nämlich auch darin, klassische Stücke für Klavier von Mendelssohn-Bartholdy auf der Gitarre einzustudieren oder bei Musik von Ella Fitzgerald zu kochen – natürlich nur, wenn nix anderes zu tun ist. Eine spontane musikalische Session kann also auch im Common Room des Hostels vor dem Kaminfeuer stattfinden. Scheint tatsächlich ein angenehmes Leben zu sein.

Dessen ungeachtet besuche ich zwei Pubs, die traditionelle Musik auf dem Programm zu stehen haben. Im ersten Public House sitzen ein Gitarrist und ein Accordionspieler im vorderen Raum auf einer kleinen Bühne. Das Hinterzimmer ist voll von jungen aufgehübschten Menschen und eine Junggesellinnenabschiedsrunde (Hen Party) hat sich dort ebenfalls vorübergehend eingefunden (Dem Gespräch entnehme ich, dass sie durch alle Pubs der Stadt ziehen wollen ...). Einige Menschen hören den Musikern tatsächlich zu und schwingen bei den schnelleren Stücken auch mal rhythmisch Kopf oder Füße. Das wird vom Accordionspieler unterstützt, indem er mit einem Fuß durchgängig einen einfachen Rhythmus vorgibt. So führt er sich selbst und die Hörer durch die irischen Melodien. Der Gitarrist folgt dem Geschehen mit seiner Gitarre, setzt gegenläufige Akzente und verändert mit einigen dynamischen Wechseln entweder die Stimmung des Stücks oder leitet den Wechsel in einen anderen Teil ein. Es scheint den beiden nicht so ganz klar zu sein, in welche Richtung sie sich bewegen sollen. Ruhiger und auch virtuoser ist dem Gitarristen angenehmer, fröhlich-treibend dreht der Accordionmann eine entgegengesetzte Runde. Dann finden sie sich wieder, indem beide ein wenig einlenken – die Gitarre wird wieder rhythmischer und unterstützt die hopsenden, bunten, dann abschwellenden Bögen des Accordions.

Die beiden folgenden Stücke klingen spanisch. Passt prima, ist eine weitere Richtung, die ich nicht erwartet hatte. Aber der Gitarrenmann scheint sich in den klassischen spanischen Klängen sehr wohl zu fühlen.

Eine Unterbrechung folgt, weil das Auto der Musiker an einen anderen Ort bewegt werden muss. Vielleicht hat es eines der kleinen Privattaxis gestört, die sich an den Wochenenden regelmäßig an der Ecke mit den meisten Pubs versammeln. Unscheinbare kleine Schilder in den Frontscheiben verraten, in welche Richtung sie fahren. In den zwei Tagen, die ich da bin, haben sie reichlich zu tun. Die Chance nutze ich, um die nächste Musikquelle zu suchen. Zum Abschied bekommen die Musiker ein „Daumen hoch“ - Lächeln als Antwort.

Die zweite musikalische Einheit finde ich im Pub an der Kirche drei Häuser weiter. Kuschelig ist es hier. Nicht nur, weil ich mir den Kopf an den Deckenbalken im Schankraum stoßen kann, sondern auch wegen der asiatischen Reisegruppe, die sich hier klatschend und staunend vergnügt. Oder zumindest so tut als ob. Mir zumindest gefällt die Musik tatsächlich. Zu hören ist der irische Dudelsack, eine Flöte, Gitarre und diverse Shaker und ab und zu Gesang. Die drei Männer spielen irische Lieder, die sich nicht so unendlich hinziehen, wie es die Sessionstücke zu tun pflegen. Da es sich hier um Unterhaltungsmusik handelt (die den Musikern aber Spaß macht), werden konsumierbare Musikhappen präsentiert. Guter Einstieg. Und an dem Abend spinnt sich ein Faden, der mit irischer traditioneller Musik anfängt, sich über andere typisch zu nennende Richtungen (ich sage mal plump „Country“ als Beispiel) fortsetzt, um dann bei Singersongwriterstücken zu landen. Gute Unterhaltung.

Als die Hen Party in dem schon vollen Pub Einzug hält, verabschiede ich mich vom Geschehen. Zurück im Hostel begegne ich einem der anderen Übernachtungsgäste - Richard (Mitte 50 und frisch an diesem Tag in Dingle eingetroffen) aus Arizona. Wie schwatzen über die Pubs und die Musik, die wir erlebt haben. Es stellt sich heraus, dass Richard viele Jahre lang mit einer Bluesband durch die USA getingelt ist und er singt mir einiges vor. Beim Singen blüht er auf und erinnert sich an seine zwei Begegnungen mit B.B. King! Ich bin entsprechend beeindruckt und muss mich an die Bluesinterpreten erinnern, die mich eine Weile begleitet haben. Wir hauen uns also Namen wie John Lee Hooker, Muddy Waters, Howlin' Wolf, Sarah Vaughan und Billie Holiday um die Ohren. Und anhören soll ich mir unbedingt auch die „Blind Boys of Alabama“. Mache ich.

Bei der einstündigen Verabschiedung von der Hostelbesitzerin am nächsten Morgen erfahre ich, dass Hozier am kommenden Wochenende in Dingle auftreten wird – ein kleiner Kreis schließt sich. Denn Hoziers „Take me to church“ begleitet mich seit der Begegnung mit dem Hertz-Mann in Dublin … Nun gut, ich lenke mich durch Nachhören anderer Empfehlungen ab. Die Dingeleigene Kombo „Walking on Cars“ soll gut sein. Sie treten demnächst in der O2-Arena in Dublin auf. Vielleicht bin ich ja dann vor Ort :-)

3.12.13 21:42
 


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